Der braunhaarige Junge, der oben im Treppenhaus sitzt, und nur Augen für sein Buch hat, heißt André. Vor kurzem ist er mit seiner Mama, seinem Papa und seinem jüngeren Bruder hierhingezogen. Er hatte es noch nicht geschafft, neue Freunde zu finden, aber das machte ihm ehrlich gesagt auch nichts aus.
André lernte schon mit fünf Jahren lesen und Bücher wurden schnell zu seiner größten Leidenschaft. Er liebt alte Sagen, Mythen, Legenden und geheimnisvolle Geschichten. Er verschlingt sie auf dem Schulweg, beim Mittagessen, wenn er draußen ist, und natürlich auch vor dem Schlafengehen.
Wenn die ganze Familie zu Hause ist, verkriecht sich André manchmal mit einem Buch oder einem Comic am oberen Ende des Treppenhauses. Hier ist es nämlich ruhig und niemand stört ihn. Im obersten Stock wohnt nur eine alte Frau, die nicht allzu oft aus dem Haus geht. André weiß eigentlich gar nicht, wie sie heißt. Er sieht sie nur ab und zu, wenn sie vom Einkaufen zurückkommt.
Gerade jetzt war André ganz vertieft in eine Geschichte über die Hexe Baba Jaga. Draußen tobte ein Herbststurm, der Wind heulte und der Regen prasselte gegen das Fenster. Es wurde auch schon langsam dunkel. Auf einmal spürte André etwas an seinen Beinen. Der Junge wäre vor Schreck fast die Treppe hinuntergefallen. Als er sich wieder gefasst hatte, sah er, dass es nur eine schwarze Katze war, die zufrieden vor sich hin schnurrte. Er seufzte erleichtert und kraulte die Katze hinter den Ohren. Sie betrachtete ihn noch eine Weile mit ihren großen gelben Augen, dann drehte sie sich um und verschwand im Nichts.
„Seltsam, wo ist sie denn hin?“, wunderte sich André. Er sah einen Stock tiefer nach, aber von der Katze war keine Spur. Wahrscheinlich hatte er sie sich nur eingebildet und sollte besser nach…