Am Morgen hĂĽpfte die Sonne munter an den Himmel hinauf. Heute erwartete sie eine wichtige Aufgabe.
„Ich muss das restliche Eis und den Schnee schmelzen. Dann trockne ich die Wiesen und zum Schluss wecke ich alle Winterschläfer“, wiederholte sie fĂĽr sich.
So einen Haufen Arbeit erledigt man natĂĽrlich nicht einfach so! Doch die Sonne war nicht faul. Sie nahm all ihre Kraft zusammen und schickte einen Sonnenstrahl nach dem anderen auf die Erde. Sie schien und schien, aber auf der Erde geschah nichts.
„Wo sind denn alle? Ich scheine doch nicht etwa zu stark?“, grĂĽbelte sie enttäuscht.
Da rĂĽhrte sich etwas. Ein kleiner Lehmhaufen erhob sich und aus ihm lugte zaghaft ein kleines grĂĽnes Auge hervor.
„Endlich bist du da!“, rief die Sonne und sprang vor Freude in die Luft. Sie begrĂĽĂźte das kleine Auge mit einem ihrer Strahlen.
Das Auge blinzelte verschlafen. Dann sah es sich neugierig um. Auf der einen Seite hörte es Wasser plätschern – das war der Bach! Das Wasser glitzerte und trug die letzten EisstĂĽcke davon. Neugierig zog sich das Auge an seinem Stängelchen etwas höher, damit es besser sehen konnte.
Da bemerkte es nicht weit entfernt einen weiĂźen Haufen. Das musste Schnee sein, denn ein weiĂźes Kissen war es sicher nicht. Der Schnee glitzerte mĂĽde und lieĂź seine Tropfen langsam in den Lehm sickern. Die umliegende Erde war schon ganz vollgesaugt mit Wasser.
Das kleine Auge kam aus dem Staunen gar nicht heraus. Es sah auch braunen Schlamm, glänzende Pfützen und gelbes Gras. Und an den kahlen Ästen hingen sogar ein paar Eiszapfen! Diese schmolzen aber buchstäblich vor seinen Augen dahin.
Das Auge wandte sich zum Himmel. Von dort fühlte es den warmen Blick der Sonne. Wieder kitzelte diese es mit einem ihrer Strahlen. Das Auge nieste und schoss…